"Dr. Death" Wouter Basson

Das Labor des Wahnsinns, läßt Justizia erblinden

Südafrikas Dr.Jekyll & Mr. Hyde

Nach siebenjährigen Ermittlungen durch die Strafverfolgungsbehörden eröffnete am 4. Oktober 1999 das Oberste Gericht in Pretoria die Verhandlung. Es begann der aufwändigste Prozess, der dem Apartheidregime je gemacht wurde. Angeklagt war der seinerzeit 52-jährige Arzt Wouter Basson. In Südafrika besser bekannt als Dr. Death, wie er sich selbst nannte. In einer 400 Seiten starken Anklageschrift, die sich wie ein Handbuch des Grauens ließt, wurde ihm unter anderem vielfacher Mord, Beihilfe zum Mord in mindestens 200 Fällen, Drogenhandel und schwerer Betrug vorgeworfen. Er wurde zu den kaltblütigsten Killern der Apartheid gezählt, häufig als “Mengele vom Kap" bezeichnet und zu einer Projektionsfigur, die alle Perversionen der Apartheid verkörperte. In Kapstadt geboren, ging er in der Arbeitervorstadt Milnerton zur Schule. Sein Ziel war es Gynäkologe, Herzchirurg wie Christiaan Barnard, oder ein mächtiger Politiker zu werden. 1967 wurde sein Vater, ein Polizeibrigadier, nach Pretoria, der Hauptstadt der Apartheid, versetzt. Dort studierte Wouter Basson Medizin, erwarb Zusatzdiplome in Physiologie und Chemie und machte Karriere beim Militär.

Decknahme "Project Coast"

In der Hochphase des Kalten Krieges, zu Beginn der 80er Jahre, sah sich das weltweit isolierte weiße Regime, durch die rote Gefahr des Weltkommunismus und der swart gevaar (schwarze Gefahr) aus Afrika, im kollektiven Verfolgungswahn von Feinden umgeben. In Angola, Mosambik und Namibia erstarkten die Befreiungsbewegungen und der Generalstab der südafrikanischen Streitkräfte beschloss das streng geheime Militärprogramm "Project Coast". Unter dem Decknamen "Project Coast", "Projekt Küste", Aufbruch zu neuen Ufern war die Aufrüstung mit chemischen und biologischen Kampfstoffen gemeint. Ursprünglich defensiv angelegt, kam aber schon bald die Produktion offensiver B- und C-Waffen hinzu. Ein junger, ehrgeiziger und scharfsinniger Kardiologe und Militärmediziner wurde mit der Umsetzung dieser Pläne betraut. Sein Name war Oberstleutnant Wouter Basson, der ganze Arbeit leistete. Die Südafrikaner besaßen am Ende eines der umfassendsten Arsenale an Biokillern, die seit dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurden.

Uneingeschränkte Vollmacht

Mit einer unbeschränkten Vollmacht von seinen Hintermännern versehen und vier Pässen, wovon er sich drei durch Scheinehen mit Frauen aus Belgien, Russland und Bulgarien beschafft hatte, war es ihm möglich sich ein undurchschaubares Imperium auf drei Kontinenten aufzubauen. Zur Verschleierung des kriminellen Großprojekts und der persönlichen Bereicherung diente das Geflecht aus hundert Niederlassungen und Scheinfirmen mit Bürohäusern, Luxusvillen, Golfplätzen, Jagdfarmen, Reisebüros und Pharmaunternehmen.
Mit ständig wechselnden Identitäten verschaffte er sich Zugang zu den Chefetagen amerikanischer Pharmakonzerne, irakischen Giftgasfabriken, deutschen Chemielabors, sowjetischen Waffenschmieden, sowie medizinischen Forschungsstationen im Dschungel des Kongo. Er pflegte Verbindungen zu britischen Agenten, dem Schweizer Geheimdienst, Offizieren der Nato und Drogenbaronen aus Kolumbien.
Im Laufe der Jahre wurde ihm mit Informationen, Technologie und Material aus der ganzen Welt geholfen. So habe er beispielsweise problemlos achtmal aus dem Seuchenkontrollzentrum in Atlanta, eine Auswahl von Viren bekommen, die er wie Spielzeug im Versandhandel bestellt hatte.
In den unterirdischen Roodeplaat Research Laboratories in Pretoria begann 1982 unter strengster Geheimhaltung das Project Coast. Die Operation war so geheim, dass viele der 110 Mitarbeiter gar nicht wussten, woran sie mitwirkten.
Schon bald verfügten sie über insgesamt 600 Mikroorganismen, Killerkeime und Giftstoffe, mit denen sich unter anderem problemlos Krankheiten und Seuchen wie Gelbfieber, Pest, Pocken, Cholera, Hepatitis A, Ebola, Tularämie, Botulinum usw. erzeugen ließen. Auch Milzbrand, Sarin und hochkonzentrierte Gifte von Mambas und Skorpionen fehlten nicht.

Labor des Grauens

Vielerlei "toxische Spezialitäten", wie z.B. mit Anthraxsporen bestäubte Klebeflächen von Briefcouverts, Schokoriegel und Zigarettenfilter habe das Forscherteam unter W. Basson fabriziert, des weiteren unter Kronkorken verborgenes Thallium, Paratyphusbazillen in Deodorants und Zyanid in Lippenstiften, mit Hautkontaktgift präparierte Unterwäsche, sowie mit tödlichen Substanzen versehende Regenschirme, Schraubenzieher und Spazierstöcke.

Für den unbeugsamen Widerstandskämpfer, Nelson Mandela, wurden spezielle Karzinogene im Basson Labor entwickelt, die unter die Gefängniskost gemischt werden sollten.

Die Entwicklungen beschränkten sich nicht allein auf die Liquidierung einzelner Personen, sondern auch mit sogenannten rassespezifischen Erregern.

So beauftragte Basson seinen Mitarbeiter Dr. Dan Goosen mit der Entwicklung eines Bakteriums, das schwarze Frauen unfruchtbar macht. Weiter gab es konkrete Erwägungen darüber, das getrennte Trinkwassersystem der Townships mit Mikroben zu versetzen und die Hochburg des Widerstands am Eastern Cape mittels einer Cholera-Epidemie „zu säubern“.
Die Forscher der Apartheid waren offenbar besonders von Krankheitserregern als ethnische Waffe fasziniert.

1983 war ihm aus London ein Bakterium angeboten worden, das nur Menschen mit spezifischen Hautpigmenten befallen würde. Es hieß es stamme aus einem deutschen Labor.

Kurze Suspendierung

Ende des Jahres 1992 wurde Basson, von dem damaligen Präsidenten de Klerk, vom Militärdienst suspendiert, jedoch von Nelson Mandela 1995 wieder eingestellt.
Es heißt der CIA und der britische Geheimdienst hätten ihn dazu gedrängt.
Basson, der in den 80er Jahren auch Leibarzt Bothas war, praktizierte bis 1993 im One Military Hospital in Pretoria. Jedoch erst im Juli 2001 verlor er seine Approbation als Arzt.

Neues Hemd neuer Mensch

Im Juli 1997 trat er vor die Wahrheitskommission (TRC), verkleidet als "neuer Südafrikaner", in einem jener bunten Ethnohemden, wie sie auch Mandela gerne trägt. Er hatte wenig zu befürchten, denn bereits vor der Wende im Jahr 1994 waren auf Druck Washingtons und Londons belastende Akten vernichtet worden. Die restlichen Geheimdokumente wurden auf CD-ROMs gespeichert. Der Experte, der die Datenkonversion überwachte, hieß, wen mag es überraschen, Wouter Basson.
Die Anhörung Bassons durfte auf massiven Druck der schwarzen Regierung und der weißen Militärs nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.
Des weiteren wurde den Kommissaren untersagt, ausländische Verwicklungen genauer zu ergründen um die Beziehungen zu diesen Staaten nicht zu belasten.
Nach der zwölfstündigen Vernehmung durch die Kommission war seinerseits kein Gedanke an ein Geständnis.

Wenn ein Kamerad dein Richter ist

In dem nun gegen ihn geführten und 1999 eröffneten Prozess ging es zudem auch um Drogenhandel (bei seiner Verhaftung im Januar 1997 waren 1040 Ecstasy-Kapseln konfisziert worden), persönliche Bereicherung in zweistelliger Millionenhöhe und Erteilung von Mordaufträgen.

Es wurde ihm Vorgeworfen an dem Tod von 200 namibischen Swapo-Freischärlern mitgewirkt zu haben, die in betäubtem Zustand aus Flugzeugen in den Atlantik geworfen wurden.
Basson war in 63 Punkten angeklagt, wovon Richter Willie Hartzenberg, auch er war ein treuer Bediensteter des untergegangenen Regimes, gleich zu Beginn 15 Anklagepunkte fallen ließ.

Auch wehrte er einen Antrag, wegen Befangenheit abgelöst zu werden, erfolgrreich ab.

Ohne neutrale Geschworenen wurde in Afrikaans, der Sprache des Täters, verhandelt.

Nach über zwei Jahren Prozessdauer, belastenden Dokumenten, 6000 Seiten Vernehmungsprotokoll und etwa 250 Zeugen der Anklage, sprach der Richter Wouter Basson im April 2002 frei.

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